Es ist etwas absolut Natürliches und doch leider immer noch ein Tabu-Thema: die Menstruation.
Aber keine Sorge, rot braucht bei diesem Thema niemand werden, denn Sabine Fallmann-Hauser (Gründerin von Wollke) zeigt, wie leicht es ist, darüber zu reden und Frauengesundheit ernst zu nehmen. 

Sie ist bekannt aus der Fernsehshow „2 Minuten 2 Millionen“ und hat für ihre neu entwickelten Bio-wiederverwendbaren Slipeinlagen „Meine Wollken“ zu Recht besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Sie ist eine wahre Powerfrau, die ganz nach dem Motto „das Leben ist ein Hit“ ihre Vision verwirklicht. 

Warum ihr das Thema so wichtig ist, wie Sabine mit ihren Wollken einen Unterschied macht, welche Schwierigkeiten auf sie zukamen und wie man ein erfolgreiches Business, zusätzlich zu einem Familienleben mit 3 Kindern, führen kann, das erfahrt ihr hier, in unserem Green Business Interview!

Viel Spaß beim Lesen!

Wie und wann kamst du zur Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Also mein Traum war es vorerst nicht, ein Unternehmen zu gründen. Das Ganze ist wirklich aus der Problemstellung und der Idee des Umweltschutzes entstanden, wobei sicher auch meine Arbeit als Sexualpädagogin einen großen Einfluss hatte.

Durch meine Arbeit habe ich die Unzufriedenheit von jungen Mädchen und erwachsenen Frauen immer wieder gespürt. Darunter waren Themen wie Scheidenpilze, Harnwegsinfektionen oder Unlust, welche sich natürlich auch in der sexuellen Partnerschaft niederschlug.

Beim Thema Menstruation rate ich schon seit längerem zu Menstruationstassen, doch die meisten Frauen greifen nach einiger Zeit doch lieber wieder zu Weg-Werf-Slipeinlagen oder Tampons. Ich habe mich also auf der Vivaness, der größten Bio-Fachhandels Messe, auf die Suche nach guten z.B. Menstruationstassen Herstellern begeben. Was ich dort gesehen habe, war allerdings wirklich erschreckend, denn es gab viel Frottee -Ware, Metallverschlüsse und Plastikverpackungen. Auf der Rückfahrt im Zug dachte ich mir also: „OK, das war‘s noch nicht. Nun möchte ich selber Slipeinlagen erzeugen“.

Bereits am nächsten Tag habe ich dann dieses Ziel verfolgt und mir einen Unternehmensberater und Hilfe vom „riz up“ in Waidhofen geholt. Danach ist es ziemlich schnell gegangen und mittlerweile finden sich die Wollken ja auch bereits im Fachhandel, z.B. beim Bipa, in wiederverwendbaren Regalen wieder. Denn auch die Nachhaltigkeit im Vertrieb war mir für die Wollke von Anfang an besonders wichtig.

Was war damals deine Motivation und Vision?

Die Motivation war eine Sprache für die weibliche Gesundheit, Sexualität aber auch den Umweltschutz zu finden und einen Teil dazu beizutragen. Diese Motivation ist heute noch dieselbe, jedoch geht die Vision noch weiter. Die Wollke ist die erste Bio-wiederverwendbare Slipeinlage im Handel welche all die notwendigen Bestimmungen erfüllt, Siegel erhalten hat, fair produziert und auch plastikfrei verpackt wird.

Hier war die Start-Up Show „2 Minuten 2 Millionen“ natürlich eine große Chance! Durch diese Show bekamen wir einen Schub und konnten viele Frauen und Mädchen erreichen und für dieses Thema gewinnen. Dabei kam die Idee, zu dieser Show zu gehen, gar nicht von mir, denn ich hatte meine Praxis, die Wollken und war eigentlich glücklich und zufrieden.
Gut, dass wir dort waren!

Außerdem war es mir von Anfang an besonders wichtig, dass die Wertschöpfungskette der Wollke von Frauen für Frauen in Österreich verläuft. Ich denke keine Frau möchte sich Kinderhände oder unterdrückte Frauen an die Vulva legen. Deshalb lehne ich auch Angebote über günstigere Produktionen im Ausland ab! Von Frauen, für Frauen – fair und bio– das ist mir wirklich ein Anliegen.

Gab es anfängliche Herausforderungen?

Immer wieder! Herausforderungen waren ganz simple Sachen – wie z.B. zu einer Bank zu gehen, um Möglichkeiten zur Finanzierung einer Stoff-Slipeinlage abzuklären – immer wieder belächelt zu werden und immer wieder für Kopfschütteln zu sorgen.
Wir sind noch lange nicht so weit, dass Frauen und Männer gleichgestellt sind. Man braucht doppelte und dreifache Überzeugungskraft, man muss sich doppelt, vierfach und zehnfach vorbereiten. Man braucht Unterlagen, Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und muss auch eine total authentische Überzeugung, Mission und Vision haben und verkörpern.  
Um zu unterstreichen, dass die Produktion von Bio-Slipeinlagen nicht nur ein simples Hobby ist, sondern ein knallhartes Business dahintersteht, ist man auch zu zweit oft glaubwürdiger, als wenn man alleine auftritt.

Immer wieder wird mir vorgeschlagen über Amazon zu verkaufen, doch auch darauf gehe ich nicht ein. Viele kleine Händler können in unserer Wirtschaft nicht mehr überleben, weswegen ich in meiner Firmenphilosophie beschlossen habe, das nicht zu unterstützen. Nur so können wir auch im ländlicheren Raum die Arbeitsplätze für unsere Kinder oder z.B. Mütter, die Teilzeit arbeiten möchten, sichern.

Wie sieht heute ein typischer Tag in deinem Leben aus?

In der Früh aufstehen, die Kinder wecken, Frühstück machen, schnell unter die Dusche springen, dann schnell (ja eigentlich ist immer alles schnell), den Haushalt machen und so schnell wie möglich ins Büro zu meinem ersten Termin. Heute war es eine Frau, die ein paar Themen aus dem sexuellen Bereich mitbrachte und dringend Wollken benötigte. Dann Buchhaltung, Mahnwesen, Versand.. denn meine zwei Wollken-Feen waren heute nicht da. Telefonieren, nach Hause fahren, kochen, etwas im Wald spazieren gehen und nun dieses Interview führen. Am Abend habe ich auch noch einen Termin mit meinem Unternehmensberater.

Heute war eigentlich ein entspannter Tag, denn an manchen Tagen ist noch wesentlich mehr zu tun.  Zum Abendessen schaffe ich es aber meisten nach Hause – das ist mir sehr wichtig!

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten und Qualitäten um in deiner
Branche erfolgreich zu sein?

Es gibt einen Satz von Mutter Theresa: „Wir können jeden Tag kleine Dinge tun (so wie eine Wollke tragen) aber das mit größter Liebe und größter Hingabe.“

Ich denke, etwas mit Leidenschaft, Authentizität, Freude und Einsatz zu tun, macht es aus und ist das Erfolgsrezept. Außerdem muss man als Frau nicht glauben, dass man alles können muss. Auch ich habe keine betriebswirtschaftliche Ausbildung, aber dafür gibt es großartige Menschen, die dabei helfen können. Zudem ist es wichtig den Mut aufzubringen, sich helfen zu lassen, z.B. wie ich mit meinen beiden Mitarbeiterinnen, die „Wollken-Feen“.  Aufgaben abgeben können ist nicht immer leicht, aber ein wichtiger Schritt.
Er hört sich so banal an: „Brauchst dir doch nur helfen lassen“.

Etwas, das mir dabei geholfen hat diesen Schritt zu gehen, war mir immer wieder vor Augen zu führen, dass sie nicht nur die Vision super finden, sondern für ihre Arbeitszeit auch ein Gehalt bekommen und Verantwortung übernehmen.

Hast du ein Erfolgsgeheimnis?

Das Leben ist ein Hit! Ich würde für die Wollke keine einzige Bühne auslassen, auf der ich meine Mission und Vision verkünden darf. Das Geheimnis ist zu hoffen, dass man die Welt für die nächsten Generationen ein Stück weit liebevoller und nachhaltiger machen kann.

Außerdem ist es wichtig Menschen zu erkennen, die ihren Worten keine Taten folgen lassen und umgekehrt. Oft geht das bereits in der ersten Minute. Wer etwas sagt, aber dann nichts tut – mit dem/der tu ich mir schwer!

Zudem bin ich immer offen für wertvolles Feedback und Hinweise, habe jedoch etwas gegen Ratschläge, wenn sie sich wie Schläge anfühlen, auch wenn sie gut gemeint sind.

Wie verdienst du/dein Unternehmen Geld?

Auf verschiedenste Weisen. Natürlich über den Wollke Online-Shop und den Handel, wo wir mittlerweile BIPA beliefern und bei REWE Deutschland Süd sowie bei Dennree gelistet sind. Zudem finden auch Gespräche mit Denns Österreich statt.
Aber auch durch meine Sexualpädagogik, Fortbildungen oder Vorträgen und Workshops wird die ganze Sache rund, sodass ich nicht nur eine Einnahmequelle habe, sondern mehrere. Wenn mir also einmal eine wegbrechen sollte, brauche ich nicht in Angst und Panik verfallen.

Ich denke als Unternehmerin ist es wichtig sich breiter auf zu stellen, sodass, wenn unerwartet etwas passieren sollte, man noch ein weiteres Standbein hat.

Gibt es etwas, dass du an deiner Branche verbesserungswürdig findest?

In meiner Branche gibt es sehr viel zu verbessern. Obwohl es sich bei der Wollke „nur“ um eine Slipeinlage handelt, braucht es wahnsinnig viel Aufklärung. Wir haben lange nicht gewusst warum, denn es ist ja nur eine Slipeinlage. Nach langem recherchieren und reflektieren wissen wir aber warum, denn es ist einfach wichtig über das Thema zu sprechen. Es ist auch heute noch immer sehr wichtig den Mädchen und Frauen immer wieder zu sagen: Wir sind schön, wir sind sauber, wir haben ein Scheidensekret, ein Zervix Sekret, wir haben Menstruations- oder Schmierblutungen – das ist alles natürlich und gehört zu den Körperflüssigkeiten dazu. Die Herausforderung besteht darin, genau das zum Thema zu machen.

Zudem ist die häufigste Frage die, ob es wirklich reicht die Wollke – Slipeinlage bei 40-60 Grad zu waschen und ob das denn wirklich hygienisch ist.
Junge Frauen kennen diese Methode von den Großmüttern nicht mehr. Sie kennen nur die Wegwerfprodukte, die auch oft in der Toilette landen. Die Idee zur wiederverwendbaren Einlage ist also eigentlich eine „alte“, wobei es für viele heute definitiv neu ist und deshalb auch erklärungsbedürftig.

Manche Frauen überlegen tatsächlich, ob sie sich für Ihre wiederverwendbaren Wollken eine zweite Waschmaschine kaufen müssten oder befürchten, dass ihre Männer etwas davon mitbekommen.
Also auch wenn es sich nur um eine Slipeinlage handelt, gibt es hier noch wahnsinnig viel Aufklärungsbedarf!

Aufklärung und Wissen verschaffen ist auch bei meinen Besuchen an Schulen und bei Sexualpädagogischen Workshops immer ein Thema. Da geht es um Liebe, Beziehungen, das erste Mal, Aufklärung, das Jugendschutzgesetz, sex grooming, Sextortion, die beste Verhütung bzw. ob es die beste Verhütung überhaupt gibt. Auch die Frage ob man noch Jungfrau ist, wenn man Tampons oder eine Menstruations-Tasse verwendet oder Kondom-Trainings und die verschiedenen Möglichkeiten die eigene Periode zu gestalten, sind immer wieder Thema.

Wenn du noch einmal neu starten könntest, würdest du etwas anders machen?

Wenn ich gewusst hätte, dass es so kommt wie es kommt, hätte ich mir vielleicht im Voraus einen Lehrgang oder ein Studium gesucht, in dem man z.B. lernt,wie man Business Pläne erstellt. Da hätte ich mir wesentlich leichter getan und nicht immer jemanden fragen müssen.

Ich hätte mir also eine Betriebswirtschaftliche Ausbildung gegönnt, denn so war ich doch auch immer auf andere angewiesen.

Was ratest du anderen für ihr Leben und ihren Werdegang?

Ich glaube, dass es jeder/m gut tun würde das Vertrauen zu haben, dass alles gut gehen wird. Es ist egal wie es ausgeht, denn im Endeffekt hat man viele wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Das Leben ist ein Hit! Rock die Bühne!
Aber auch scheitern ist ok!

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