Foto: Lukas Neugebauer, https://www.dolomitenstadt.at/story/alpengummi-so-schmeckt-wald/

Nachhaltig und wirklich inspirierend! Es ist schön, dass wir für dieses Green Business Interview eine Hälfte des Gründerinnen-Teams eines jungen österreichischen Unternehmens gefunden haben. Gesunder und nachhaltiger Kaugummi, den produzieren sie wie sonst niemand.
Auch ein so kleines Produkt kann großes Potential haben. Jedoch steckt auch viel Arbeit dahinter.

Viel Spaß, Inspiration und Motivation wünschen wir dir beim Lesen des Interviews mit einer der Gründerinnen von Alpengummi, Sandra Falkner.

Wie und wann kamst du zur Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Durch mein Studium habe ich in Kopenhagen meine Business Partnerin Claudia kennengelernt. Wir befanden uns im selben Master an der BOKU und mussten bei einer Lehrveranstaltung (Innovation im Forstsektor) mit einer Idee aufkommen, welche Rohstoffe aus dem Wald verwertet. So sind wir auf das Harz und die Pecherei gestoßen, welche in Niederösterreich noch von einigen wenigen ausgeübt wird.

Harz wurde immer schon gerne gekaut. Ca. 5000 Jahre sind die ältesten Bissspuren auf Funden alt. Im Westen Österreichs ist es immer noch als „Kaupech“ bekannt, also wirklich das Harz vom Baum, welches man runternimmt und kaut.

Also haben wir recherchiert was in den heutigen Kaugummis alles drin ist, und waren schockiert. Alles besteht nur aus Kunststoffen, mit Aspartam, künstlichen Süßungsmitteln usw. und es gibt kaum Alternativen.

Der allererste Kaugummi war aus Fichtenharz und Bienenwachs und wir wollten diese Tradition wieder aufgreifen und unter die Leute bringen, ein bisschen das „zurück zur Natur“ promoten.

Was war damals deine Motivation und Vision?

Die Motivation war zunächst einmal die Aufgabe für die Lehrveranstaltung fertig zu bekommen und einen Businessplan zu schreiben. Dabei hat uns der gesamte Prozess jedoch so sehr Spaß gemacht, dass wir dann wirklich gesagt haben, „hey wir wollen probieren, ob das funktioniert“. Also haben wir in der Küche angefangen zu experimentieren. Anfangs war unser Ziel etwas Kaubares zu entwickeln. Recht bald sind wir dann aber ins Labor der Uni umgezogen, in welchem wir 2 – 2,5 Jahre an der Produktentwicklung arbeiten konnten.  

Nun geht es mittlerweile darum, das Produkt weiterzuentwickeln und der Nachfrage nachzukommen. Am liebsten hätten wir unseren Kaugummi an jeder Kasse in den Supermärkten.                

Gab es anfängliche Herausforderungen?

Auf jeden Fall! Das Rezept, die Genehmigungen und Zertifizierungen. Harz wurde zwar immer schon gekaut, aber nicht verkauft. Sprich, die Behörden hatten gewisse Anforderungen, welchen wir gerecht werden mussten. Die ganzen Analysen haben ein Jahr gedauert. In dieser Zeit hatten wir schon Bauchweh, denn wir wussten ja noch nicht, ob wir unser Produkt überhaupt verkaufen werden dürfen. 

Wie sieht heute ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Sehr abwechslungsreich. Wir arbeiten oft bis spät, sind bei Messen oder unserem Produktionsstandort, welchen wir anmieten und der immer nur nachmittags frei ist. Wir stehen dort wirklich bis um 00:00 Uhr, rollen den Teig aus und portionieren ihn.

Da wir alles selber machen, gibt es sehr viele verschiedene Bereiche, die wir abdecken. Angefangen von der Produktentwicklung, Telefonate, Bestellungen, die abgepackt und verschickt werden müssen, Presseanfragen, Interviews und auch Fernsehauftritte. Manchmal ist das auch etwas zu abwechslungsreich, wenn man sich auf eine Sache konzentrieren möchte und dann doch immer wieder unterbrochen wird. So dauert es immer ein bisschen, bis man wieder in die eigentliche Aufgabe reinkommt. 

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten und Qualitäten um in deiner
Branche erfolgreich zu sein?

Generell als GründerIn sollte man meiner Erfahrung nach stressresistent sein, ein gutes Zeitmanagement haben und im Projektmanagement fit sein. 

Aber das wichtigste ist die Motivation, dass man für das brennt, was man macht. Dann ist vieles machbar, selbst wenn man nicht von der Branche kommt und den Hintergrund hat. 

Keine von uns hat zuvor Lebensmittel hergestellt und auf den Markt gebracht. Wir haben uns das alles angelernt. Jeden Tag lernt man so viel Neues, da muss man es einfach nur mögen neue Herausforderungen zu bewältigen. Sich auf den Erkenntnissen vom Vortag ausruhen geht nicht.

Hast du ein Erfolgsgeheimnis?

Ich glaube, man muss das mögen was man macht und auch authenisch darin sein, um die Leute mitzuziehen. Wenn man über das eigene Produkt redet und voll hinter der Idee und dem Konzept steht, dann spüren das die Menschen und merken sich den Eindruck.

Wie verdienst du/dein Unternehmen Geld?

Durch den Verkauf von Kaugummis. Die Rohstoffe für die Produktionen bekommen wir durch Zulieferer, wie z.B. das Harz aus Österreich und den Birkenzucker aus Finnland. Die Kaumasse sowie die Kaugummis stellen wir selbst her, verpacken sie und verkaufen sie an Läden sowie Online.

Gibt es etwas, dass du an deiner Branche verbesserungswürdig findest?

Ja, auf jeden Fall. Als Startup ist es nicht leicht mit dem Großhandel zu kooperieren, denn die sind oft nicht auf Startups ausgelegt. Meistens wird mit Großlieferanten gearbeitet, bei denen die Logistik natürlich eine ganz andere ist als bei einem Startup. Hier kommt es immer wieder zu Komplikationen und es erschwert die ganze Sache. Die Kaugummibranche ist eigentlich ziemlich monoton, denn nur ein Hersteller dominiert ca. 98% des Markts. Als Startup bzw. als kleine Firma, die nur Naturrohstoffe verwendet, die mit der Hand hergestellt werden, können wir nicht die gleichen Mengen liefern. Auch nicht zum selben Preis. Es wäre hier also sehr wünschenswert, wenn sich Großhändler mehr gegenüber Startups öffnen und den Einstieg erleichtern würden.

Wenn du noch einmal neu starten könntest, würdest du etwas anders machen?

Phu, gute Frage. Es gibt wahrscheinlich einige Dinge, die man hätte besser und vor allem schneller machen können. Vielleicht wäre es besser gewesen, gleich jemanden zu finden, der für einen produziert. Andererseits braucht gut Ding Weile und nur so, durch unsere eigenen Experimente mit der Kaumasse, konnten wir den perfekten Prozess herausfinden. Wer weiß, ob sich ein Lohnhersteller überhaupt die Zeit genommen hätte, so lange Versuchsreihen zu machen.

Was rätst du anderen für ihr Leben und ihren Werdegang?

Besonders wichtig zu sagen ist, dass es mehr weibliche Gründerinnen braucht. In Österreich liegen wir bei ca. 11%, also noch viel Potential nach oben. Claudia und ich kommen beide aus der Umweltschiene und kennen daher viele der Probleme, welche es weltweit noch zu lösen gilt. Auf die eine oder andere Weise, vielleicht auch ganz anders als bisher – und da sind vor allem Startups gefragt!

Es gibt wirklich viele Herausforderungen, die nur mit neuen Ideen gelöst werden können. Ich denke, die Leute sollten sich hinsetzen und überlegen: „Wo rennt denn gerade etwas schief?“, und dann darüber nachdenken, welchen Unterschied sie machen könnten.

Auf jeden Fall braucht man keine Angst zu haben, dass es nicht gut ankommt. Österreich ist in dieser Hinsicht sehr positiv gestimmt und auch fördernd. 

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