Warum interviewen wir eine Apothekerin?

Sind Apotheken nicht alle gleich? Sie verkaufen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, und Mittel, um die Symptome einer Krankheit zu lindern. Was aber, wenn wir es tatsächlich geschafft haben eine Apotheke zu finden, in der Patienten durch Beratung und Koordination wirklich nachhaltig geholfen wird?
Eine Apotheke, deren Ziel „gesunde Menschen“ sind, auch wenn diese womöglich „schlechte Kunden“ darstellen.

Mag. Doris Schmidt hat eine solche Apotheke zusammen mit ihrem Mann gegründet und hebt sich damit von dem üblichen Image ab. Nach Jahren der Praxis entschieden sie sich, eine Apotheke zu kaufen und weit mehr daraus zu machen als nur eine reine Rezept-Einlöse-Stelle.
Sie gehen Krankheiten und kleineren Übeln auf den Grund, sind ausgebildete Coaches und veranstalten zudem noch Workshops zu den aktuellen Themen in Therapie, Vorsorge und Sport. Immer mit dem Ziel, Menschen einen Weg zu einem­ gesunden Lebensstil zu zeigen.

Warum sie das machen, wie sie das geschafft haben und was sie damit bewirken wollen erfahrt ihr in diesem Green Business Interview.

Viel Spaß & Spannung beim Lesen!

Wie und wann kamst du zur Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Also ich bin jetzt seit über 30 Jahren in der Pharmabranche als Pharmazeutin tätig. Vor etwas mehr als 12 Jahren hatte ich den Plan, eine eigene Apotheke zu kaufen, um die Freiheit zu haben, meine Ideen umzusetzen. Ich biete bereits seit langem alternative Lösungen mit dazu passenden selbst hergestellten Produkten an. Die von mir vertretenen ganzheitlichen Ideen, waren in einem Angestelltenverhältnis nur schwer umsetzbar. Darum habe ich beschlossen, zusammen mit meinem Mann, eine eigene Apotheke zu kaufen und in dieser unsere Patienten alternativ medizinisch und ganzheitlich nach einem eigenen Modell zu beraten und zu betreuen.

Was war damals deine Motivation und Vision?

Wie schon erwähnt, war es einerseits die Freiheit zu haben, meine Ideen umzusetzen und nicht einfach nur Medikamente zu verkaufen und auf Wechselwirkungen hinzuweisen. Viel mehr sollten Kunden eine echte Beratung auf Grund einer gute Anamnese erhalten, um auf den wahren Grund des Problems zu kommen. Dazu sind koordinierte Gesundheitsdienstleistungen nötig. Es geht einfach nicht mehr um „Pulverl“, sondern um echte Lösungen. Das Modell nennen wir „Primärberatungszentrum“, weil es sinnvoll ist, zunächst zu uns zu kommen und dann koordiniert durch ein Team an Therapeuten und Ärzten integrativ betreut zu werden.
Außerdem ist mir es mir wichtig meine MitarbeiterInnen nachhaltig auszubilden und einzubeziehen. Jede/r soll eine Vision haben, nicht nur Geld zu verdienen, in der Früh zur Arbeit zu kommen und am Nachmittag wieder zu gehen. Es muss im Ausbildungsplan drinnen sein, dass die MitarbeiterInnen erkennen welchen nachhaltigen Vorteil auch sie haben, wenn sie bei uns arbeiten.

Meine Vision hat sich seit Anbeginn auch nicht verändert, sondern wurde nur noch gestärkt. Ich sehe, dass eigenverantwortliche Kunden einfach mehr Betreuung brauchen, da es schwer ist, sich im gesamten medizinischen Angebot zu orientieren. Dazu kommt, dass mehrere Spitäler sowie Ärzte und Therapeuten an einem Kunden arbeiten und diese Arbeit niemand koordiniert. Dabei kommt es zu Doppelverschreibungen mit Wechselwirkungen, Widersprüchen und anderen hinlänglich bekannten Fehlern. Hier reden die Menschen zu wenig miteinander, es fehlt einfach die Gesamtkoordination, für die es in Österreich keine eigene Berufsgruppe gibt. Und die dafür in Frage kommenden Hausärzte sind weder dafür ausgebildet noch haben sie die notwendigen Kapazitäten, Mittel etc.
Es ist also nicht nur meine Motivation, sondern auch der Bedarf definitiv mehr geworden.

Gab es anfängliche Herausforderungen?

Natürlich! Unsere Kunden waren leider daran gewöhnt in der Apotheke ihr Rezept abzugeben, ein paar Packerln zu erhalten und auf die Frage „Brauchen Sie ein Sackerl?“, mit ja oder nein zu antworten und dann wieder zu gehen. Wenn jemand fragt: „Aha, Sie haben Kopfweh? Wie lange haben Sie das schon? Wollen Sie es loswerden? Sollen wir uns um eine Lösung kümmern?“, war es am Anfang etwas Neues und viele wussten nicht wie sie damit umgehen sollen. Ca. 20% haben das Angebot allerdings gerne angenommen und noch in allen Fällen haben wir eine Lösung gefunden.

Bis heute haben wir schon über 4000 Patienten erfolgreich betreut!

Wie sieht heute ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Wenn ich in der Apotheke arbeite, dann stehe ich um 06:00 Uhr auf und fahre gegen 07:30 Uhr in die Arbeit. Dort wird erst einmal gelüftet und alles hergerichtet was für das Tagesgeschäft notwendig ist. Im Tagesgeschäft kommen PatientInnen mit ihren Problemen, Rezepten usw. zu uns, mit unseren Mitarbeiterinnen ergänzen wir mindestens 4 mal am Tag unsere Vorräte, sowohl Medikamente als auch unsere eigenen Produkte. In unserem Kunden-Kalender können sie sich für eine Beratung eintragen, in welcher wir die Anamnese aufnehmen und sehen, welche Probleme es gibt, wie wir das koordinieren können und inwieweit wir selber zur Lösung beitragen können bzw. welche Ärzte, Therapeuten etc. wir hinzuziehen.

Wenn ich nicht in der Apotheke bin, bin ich eigentlich immer unterwegs um für unsere eigenen Produkte und Workshops Kräuter zu sammeln.
Zum Abendessen sind wir aber immer zu Hause, kochen selber und frisch. Wenn wir auswärts essen gehen, dann in Restaurants, die gesund und nachhaltig  kochen und geführt sind. Teilweise machen wir mit ihnen sogar Verkostungen zB die neuen Liköre des Jahres aus Wildkräutern und Bioprodukte.

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten und Qualitäten um in deiner
Branche erfolgreich zu sein?

  1. Empathie! Wenn man die Leute nicht mag, dann wird man in meiner Branche nicht viel weiterbringen. Wenn dies der Fall ist, gehört man eher in die Forschung oder ins Büro.
  2. Zuhören, Probleme erkennen und vernetztes Denken! Wie kann ich einem Menschen am besten helfen, was kann ich für sie/ihn tun.
  3. Breitaufgestelltes Wissen! Also nicht nur die universitäre Ausbildung, sondern eine lebenslange Weiterbildung. Einfach, weil man immer neue Dinge erfährt, Leute kennenlernt, neue Skills und neue Dinge lernt, die man integrieren kann.
  4. Durchhaltevermögen! Es geht nicht alles an einem Tag, man hat auch Rückschläge und es geht immer auf und ab. Wenn man aber weitermacht, wird es irgendwann soweit sein, dass die Vision umgesetzt ist. Wie in vielen Entwicklungen gilt auch hier: Zunächst wird man verlacht, dann boykottiert und irgendwann ist es dann ganz normal…

Hast du ein Erfolgsgeheimnis?

(Lacht) Haha, das sitzt neben mir! Mein Mann!

Also es ist durchaus so, dass man auch alleine sehr viel schafft, aber wenn wir beide in dieser Konstellation nicht wären, würde sich sicher nicht so viel Positives entwickeln.

Man hat hier einfach den familiären Rückhalt. Wir können immer miteinander reden. Wir haben zwar dadurch unser Unternehmen auch immer mit dabei, egal ob im Urlaub, in der Freizeit oder hier in der Apotheke, aber man kann sich spiegeln, Ideen austauschen und ein bisschen abchecken ob eine Idee eine Chance hat oder eher nicht. Wenn diese dann doch nicht gelingen sollte, bespricht man wie es doch gelingt bzw. besser werden könnte.

Dieses 2er – Team aus einerseits Wirtschaft, Psychologie, Jus und andererseits mir mit der Fachkompetenz Pharmazie und alternative Therapien ist sicherlich unser Erfolgsgarant!

Wie verdienst du/dein Unternehmen Geld?

Einerseits durch den Produktverkauf, welcher relativ breit ist, also von Medikamenten bis hin zur individuellen Kosmetik und der Herstellung unseren eigenen Produkten, Nahrungsergänzungen usw..
Andererseits durch die Honorare für die Dienstleistungen als Primärberatungszentrum.

Gibt es etwas, dass du an deiner Branche verbesserungswürdig findest?

Da gibt es sehr, sehr viele Probleme, es ist eben ein sehr breites – politisch/ wirtschaftliches Feld. Wir setzen am Patienten, Klienten und Kunden direkt an – dort wo wir unmittelbar verbessern und helfen können. Ich denke aber, am ehesten braucht es eine bessere Gesundheitskoordination. In dieser sollte man den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Man sollte sie in ihrer Entwicklung zur Selbstverantwortung vom Kleinkind bis zum Lebensende fördern. Natürlich in allen Lebensbereichen aber vor allem im Bereich der Gesundheit sehen wir hier enormes Potential.

Wenn du noch einmal neu starten könntest, würdest du etwas anders machen?

Eine Apotheke kaufen, deren Standort man besser entwickeln und Synergien heben kann. An unserem derzeitigen Ort können wir uns räumlich nicht mehr bewegen. Von dem was ich tue, bin ich aber eigentlich ziemlich genau da, wo ich immer sein wollte.

Was ratest du anderen für ihr Leben und ihren Werdegang?

Dass man sich selber treu bleibt und mit dem leben kann, was man tut.

Weiters – was ich auch meinen Kindern immer geraten habe – soll man seine Vision kennen und diese umsetzen. Zu meinem Sohn habe ich einmal gesagt: „Versuchs, und wenn du wirklich scheitern solltest, du hast immer ein Bett und was zu essen bei uns.“
Es ist nicht mehr so wie früher, denn zu mir hat man immer gesagt: „Naja probier‘s nur, aber wenn‘s dann schief geht, komm nicht heulen!“. Ich finde diesen Satz ganz schlimm, denn wenn sich die Leute nichts trauen, kann sich auch nie etwas zum Besseren wenden.

Man sollte vielleicht ein Mentoren – System fördern, das Mut, Zuversicht und kompetente Begleitung schafft. Ich glaub´, es ist ganz wichtig, dass man das jungen Menschen mitgibt, damit diese Generation, die eigentlich alles richten muss, was wir verbockt haben, auch den Mut hat, auf den Tisch zu hauen und zu sagen: „So geht’s nicht mehr weiter! Wir müssen unsere Umwelt schützen, verantwortlich und nachhaltiger leben – und das setzen wir jetzt auch um!

1 Kommentar
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