3 Fragen zum Thema CO2 Kompensation

Den Begriff haben wir mittlerweile alle schon einmal gehört, wissen, dass es für die Umwelt irgendwie wichtig sein soll aber auch, dass es Geld kostet – was die ganze Sache oft schnell unattraktiv für viele macht. 

Wir finden es daher besonders wichtig, dass alle die Möglichkeit haben sich gut, rasch und ausführlich zu informieren, um genau zu wissen, was man damit bewirkt, warum das notwendig ist und welchen Organisationen man das eigene Geld anvertrauen kann und welchen nicht. 

Genau diese Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet und wir freuen uns, dass Du dich dafür interessierst! Natürlich freuen wir uns auch wenn auch Du uns deine Erfahrungen oder Fragen zu diesem Thema in die Kommentare oder über einen unserer Social Media Kanäle schreibst!

Viel Spaß beim Lesen!

1) Was bedeutet überhaupt CO2-Kompensation und warum ist dieses Thema wichtig für den Klimaschutz?

Das Grundprinzip

Die Kompensation von dem Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (kurz: CO2) verfolgt ein einfaches physikalisches Prinzip: Für unsere Atmosphäre ist es unerheblich, wo Klimagase emittiert werden – ob in Österreich oder sonst wo auf der Welt – sie richten denselben Schaden an. Dies gilt auch im Umkehrschluss: CO2 kann überall auf der Welt reduziert werden, ob bei uns, in der EU, Asien oder Latein-Amerika.

Mit dieser Erkenntnis sind bereits die zwei grundlegenden Mechanismen der CO2-Kompensation beschrieben: Erstens, können Treibhausgasemissionen, die z.B. durch das Fliegen verursacht werden, berechnet werden. Ein Flug von Wien nach Madrid und zurück verursacht 810 kg CO2. Dabei haben wir in Österreich bereits einen CO2-Fußabdruck von knapp 8 Tonnen CO2 pro Person und Jahr.* Um unserer Klimaziele von einer Temperaturerhöhung um 1.5 Grad einzuhalten, dürfte jede Person nur 2.5 Tonnen CO2 pro Jahr emittieren. Was können wir also tun, um die negativen Folgen unseres Handels abzumildern? Damit kommen wir zum zweiten Mechanismus: Durch Klimaschutzprojekte können wir Emissionen gezielt einsparen. Ein Windpark, der in einer Region errichtet wird, in der normalerweise Kohlekraftwerke den notwendigen Strom erzeugen, spart Treibhausgase ein. Diese können nun in Form von CO2-Zertifikaten verkauft werden und dazu beitragen, den Windpark zu finanzieren. Die Kompensation ist also ein Ausgleichsmechanismus, bei dem ich schädliche Klimagase durch Klimaschutzprojekte gezielt ausgleiche.

Welche Klimaschutzprojekte gibt es?

Für den Ausgleich der CO2-Emissionen gibt es sehr unterschiedliche Projekttypen. Bei einem Aufforstungsprojekt wird CO2 über das Wachstum der Bäume gebunden (=biologisch fixiert in Form von Biomasse), wogegen ein Wasserkraftwerk grünen Strom erzeugt. Andere Projekte versuchen, das alltägliche Leben von Menschen in sogenannten „Least Development Countries“ zu verbessern, indem effiziente Kochöfen oder Wasserdesinfektionssystem verteilt werden. Beide Maßnahmen führen zu einem verminderten Brennholzverbrauch und damit zu einer CO2-Einsparung. Doch so unterschiedlich die Projekte auch sind, sie sind alle denselben Regeln unterworfen – und damit wären wir beim nächsten Punkt.

Regeln für Klimaschutzprojekte

Gleich mehrere Standards geben vor, welche Bedingungen Klimaschutzprojekte erfüllen müssen, um zur Kompensation herangezogen werden zu können. Ohne zu weit in die Details einzutauchen gelten vier Grundprinzipien.

  • Zusätzlichkeit: Klimaschutzprojekte dürfen nur als solche gelten, wenn sie sich über die CO2-Kompensation finanzieren können und ohne diese nicht umgesetzt werden könnten. Ein Beispiel: Ein Wasserkraftwerk in Österreich kann dieses Kriterium nicht erfüllen, da es ohnehin gewinnbringend betrieben werden kann. Die Kompensation ist also nicht notwendig für die Umsetzung. Dasselbe Kraftwerk in einem Schwellenland hingegen könnte durchaus als Klimaschutzprojekt gelten, wenn die übliche Stromgewinnung nicht durch Wasserkraft erfolgt und diese Technologie bis jetzt noch nicht in dem Land umgesetzt wurde.
  • Verbot von Doppelzählungen: Auch wenn es abstrakt klingt – CO2ist zähl- und handelbar. Dabei müssen wir sicherstellen, dass jede CO2-Menge in Form eines Zertifikats nur einmal zur Kompensation herangezogen wird. Ein Beispiel: Bleiben wir beim Wasserkraftwerk in Österreich. Die Wasserturbinen erzeugen Ökostrom mit sehr geringen Emissionen. Damit wird CO2zwar reduziert, doch der Betreiber muss seine Einspeisemenge wiederum dem Netzbetreiber melden. Der Strommix wird durch das Wasserkraftwerk „grüner“. Damit wird also der positive Effekt bereits abgebildet. Wenn der Kraftwerkbesitzer nun zusätzlich CO2-Zertifikate verkauft handelt es sich um Doppelzählungen oder –buchungen (also weniger CO2im Stromnetz und die gleiche Menge CO2 wird zur Kompensation herangezogen). Klingt kompliziert – und das ist es auch. Eine Analogie zum Rechnungswesen hilft beim Verständnis: Kein Euro kann zweimal verbucht werden, sonst ist im System ein Fehler aufgetreten. Aus diesem Grund finden sich die meisten Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Hier gibt es noch weniger Reduktionsmaßnahmen und keine nationalen CO2-Bilanzen, die bereits Änderungen von Waldbestand, Strommix oder weiteren Parametern miteinbeziehen.
  • Langfristigkeit: Klimaschutzprojekte müssen über einen langen Zeitraum CO2 einsparen oder binden. Dies ist besonders wichtig bei Waldschutzprojekten, die durch Landnutzungsänderungen oder Brände besonders gefährdet sind.
  • Methoden und Zertifizierung: Klimaschutzprojekte sollten nach festen Standards zertifiziert werden. Hierbei gibt es eine ganze Reihe von Standards zur Auswahl. Um einige seriöse zu nennen: Gold Standard, Climate, Community and BiodiversityStandards(CCB Standards) oder der Verified Carbon Standard (VCS).

Ablasshandel oder wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Schon oft wurde die CO2-Kompensation als Ablasshandel kritisiert. Was ist dran an dem Vorwurf? Nun, es kommt darauf an WIE Kompensation betrieben wird.

“Die Gretchenfrage ist dabei: „Verändern wir auch unser Verhalten und sparen tatsächlich Emissionen ein oder gleichen wir nur aus um weiterzumachen wie bisher?

Kompensation sollte niemals eine nötige Handlung zum Klimaschutz ersetzen, sondern echte Bemühungen begleiten. Dies gilt für Unternehmen genauso wie für Privatpersonen. Ein Urlauber, der jedes Jahr fünf Städtetrips in Europa mit dem Flugzeug absolviert kann durch Kompensation vielleicht sein Gewissen beruhigen, verfolgt damit aber keinen zukunftsfähigen Lebensstil. Gleiches gilt für Unternehmen, die auf Wunsch klimaneutrale Produkte anbieten (also deren Emissionen berechnen und ausgleichen), aber sich selbst keine strengen Reduktionsregeln auferlegen. Letzten Endes entscheidet nicht die Kompensation über unser Handeln – sie ist ein sogenannter „End-Of-Pipe-Ansatz“ – etwas, das man hinten anhängt, sondern unser Verhalten.

2) Wie bzw. woran erkennt man Firmen denen man in diesem Sinne vertrauen kann und somit auch unterstützen sollte? Auf was sollte man achten?

Die Krux mit der Qualität der Klimaschutzprojekte:
Klimaschutzprojekt ist nicht gleich Klimaschutzprojekt. Inzwischen ist ein wahrer Boom für CO2-Zertifikate entstanden. CO2– Marktplatz trifft es im wahrsten Sinne des Wortes sehr gut. Von billigen Ramschprojekten über seriöse Angebote bis hin zu qualitativ sehr hochwertigen Vorhaben ist alles zu haben. Das Problem nur: Es gibt kein einheitliches Label, wie „gute“ Klimaschutzprojekte eindeutig als solche identifiziert werden können. Es existieren zwar diverse Standards (siehe oben) doch selbst diese Standards können nach meinen Erfahrungen nicht die Qualität sichern. Was also tun um diverse Angebot zu bewerten? Jeder, der kompensieren möchte, kann den Anbieter und das dahinterstehende Klimaschutzprojekt auf folgende Inhalte auf „Herz und Nieren prüfen“:

  • Profitorientierung: Einige Anbieter von Klimaschutzprojekten und Kompensation arbeiten gemeinnützig bzw. non-profit. Hier gibt es also keine oder nur eine geringe zusätzliche Marche, die auf den Kompensationspreis aufgeschlagen werden muss.
  • Menge der angebotenen Projekte: Handelt es sich um einen Anbieter mit einer Vielzahl von Projekten, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen sogenannten „Trader“ handelt – also eine Unternehmung, die Zertifikate im größeren Stil handelt. Das muss nichts Negatives sein, jedoch steigt damit die Chance, dass die Klimaschutzprojekte extern eingekauft und nicht selbst entwickelt werden.
  • Welche Kunden und Produkte hat der Anbieter im Portfolio? Sind es beispielsweise seriöse Unternehmen oder Firmen, die lediglich versuchen, ein grünes Image zu erkaufen? Welche Produkte können kompensiert werden? Leider gibt es inzwischen auch klimaneutrales Erdgas – das macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Damit kaschieren wir nur die negative Umweltbilanz der fossilen Energieträger.
  • Welche zusätzlichen Effekte außer CO2-Einsparung werden durch ein Klimaschutzprojekt erreicht? Gute Projekte leisten vor Ort einen Beitrag zu den UN Entwicklungszielen und tragen u.a. zur lokalen Gesundheitsförderung, Bildung oder wirtschaftlichen Entwicklung bei.
  • Der Preis – vielleicht das wichtigste Argument – qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte haben ihren Preis. Wir raten von Projekten unter 8 Euro pro Tonne CO2 eher ab. Die Tendenz auf dem Carbon Markt ist zudem steigend. Wir rechnen daher mit höheren CO2-Preisen in der nahen Zukunft.

3) Was können wir damit erreichen, was ist die Vision und wie können wir sie realisieren?

CO2 Kompensation ist ein (kleiner) Teil der Lösung im Klimaschutz. Sie trägt dazu bei, sinnvolle Projekte vor allem aber nicht nur in Entwicklungsländern zu finanzieren und eine nachhaltige Entwicklung vor Ort zu fördern.

Eine Verhaltensänderung ist jedoch stets wichtiger als die Kompensation. Dass wir dabei zumeist an Verzicht denken wird unserer menschlichen Kreativität nicht gerecht. Wir müssen nicht auf das Reisen verzichten, sondern anders reisen. Wir wollen und sollen weiterhin mobil sein, aber auf eine andere Art und Weise als bisher.

Klimaschutzprojekte sind vor allem eines: ein knappes Gut! Nüchtern betrachtet gibt es schlichtweg zu wenig Projekte, um die Emissionen unserer Lebensweise auszugleichen. In den letzten Jahren ist dabei ein Trend zu beobachten: Namhafte Unternehmen bieten klimaneutrale Produkte an oder gleichen ihre Emissionen aus um als klimaneutraler Betrieb zu gelten. Was genau für den Ausgleich herangezogen wurde, welche Emissionen berechnet und ausgeglichen werden und ob hinter der Kompensation glaubhafte Klimaschutzprojekte stehen ist für den Einzelnen schwer nachvollziehbar. Aus diesem Grunde ist ein unabhängiges Klimaneutralitätslabel in Zukunft unabdingbar. Analog zu anderen Umweltlaben benötigen wir ein verlässliches System, das echte Vorreiter von schwarzen Schafen trennt. Bis es soweit ist, sind wir auf die oben genannten Hilfestellungen und jede Menge „Hausverstand“ angewiesen, um uns beim Kompensieren nicht täuschen zu lassen. Und bitte vergessen wir eine Sache nicht: Nur, weil eine Dienstleistung oder ein Produkt klimaneutral ist, heißt es noch lange nicht, dass es keine Ressourcen verbraucht, keine Flächen konsumiert, die Biodiversität einschränkt oder nachhaltig ist. Also Augen auf und genau hinsehen beim CO2-Ausgleich!

*Quelle: European Environment Agency. (08. November 2019). EEA greenhouse gas – data view. https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/data-viewers/greenhouse-gases-viewer

SaschaMohnke_TeamFresh

Über den Gastautor

Sascha Mohnke ist Projektmitarbeiter beim BOKU CO2-Kompensationssystem – einem kleinen, gemeinnützigen Anbieter von qualitativ hochwertigen Klimaschutzprojekten, die von wissenschaftlichen Instituten durchgeführt und begleitet werden.

Seit 2012 wurden mehr als fünf Klimaschutzprojekte in Kooperation mit BOKU Forschungsinstituten implementiert und mehr als 50.000 t CO2 reduziert. Das Kompensationssystem ist eingebettet im Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur, das sich der ganzheitlichen Betrachtung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz verschrieben hat.

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