Kora Mikino ist ein Unternehmen, welches sich zur Aufgabe gemacht hat nachhaltige Perioden Produkte, die Period Panties, an die Frau zu bringen. Die Gründerin Julia Rittereiser verfolgte dabei von Anfang ein eine nachhaltige Philosophie und setzt mit Models mit unterschiedlichsten Körpermaßen auch ein Zeichen für Body Positivity

Es freut uns wirklich sehr, dass wir Dir dieses Interview zur Verfügung stellen können und wünschen dir viel Spaß beim Lesen!

Falls du mehr über nachhaltige Menstruationsartikel und über unsere Erfahrungen mit Kora Mikino’s Periodenunterwäsche erfahren möchtest, dann haben wir den perfekten Artikel für dich! 

Green Business Interview mit Julia Rittereiser - Kora Mikino

Wie und wann kamst du zur Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Zunächst kam mir die Idee, ganz klassisch, aus dem eigenen Bedarf heraus. Mir fehlte auf dem deutschen Markt einfach ein Produkt zur Monatshygiene, das nachhaltig und zudem auch noch fair produziert und vegan war. Ich habe viele Jahre für Google gearbeitet, wo ich zwar viel gelernt, mich aber irgendwann daran gestört habe, dass mein Job darin bestand, Werbung zu verkaufen, während die Polkappen abschmelzen, die Müllberge wachsen und die meisten menstruierenden Menschen auf dieser Erde keinen adäquaten Zugang zu Hygieneprodukten haben. Also habe ich meinen Job gekündigt, weil ich der Überzeugung bin, dass jede_r einen Beitrag leisten kann und für mich – in einer doch sehr privilegierten Situation – ist Kora Mikino der Versuch, das zu tun.

Was war damals deine Motivation und Vision?

Objektiv betrachtet ist die Periode der Ursprung des menschlichen Lebens und trotzdem schmuggeln junge Menschen Hygieneprodukte im Ärmel auf die Schultoilette, weil sie sich schämen. Da läuft eindeutig etwas grundlegend falsch. Das zu ändern war mein Ausgangspunkt. Verändert hat sich das nicht – ich denke, es ist immer noch ein weiter Weg, bis das Thema Periode wirklich nicht mehr scham- und tabubehaftet ist. Aber natürlich hat alles im vergangenen Jahr eine viel konkretere Form angenommen. Unser Produkt ist unsere praktische und auch bequeme Option, um Müll zu reduzieren. Außerdem möchte ich mit dem Period Pledge benachteiligten Menschen einen Zugang zu Hygieneprodukten ermöglichen.

Gab es anfängliche Herausforderungen?

Nicht nur anfänglich – tatsächlich gibt es jeden Tag mindestens eine Herausforderung. Zu 95% gelingt es mir, Herausforderungen als Chancen zu sehen. Wenn also mal etwas schief geht, ist das kein Grund zur Verzweiflung, sondern eine zweite Chance bedeutet, es besser zu machen.

Wie sieht heute ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Wahrscheinlich wesentlich unspektakulärer als so ein Alltag in einem Start-up in vielen Vorstellungen aussieht: Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit, trinke einen Kaffee, tausche mich ausgiebig mit Kolleg_innen aus, definiere meine drei priorisierten Themen für den Tag und lege los.

Ich habe viele Jahre in großen Firmen gearbeitet und die Hälfte meiner Zeit ging für Meetings drauf. Das fand ich unfassbar ineffizient. Wir arbeiten im Team eng miteinander, Abstimmungen passieren agil und so können wir viele Dinge zügig umsetzen – diese Arbeitsweise sagt mir total zu. Inhaltliche Abwechslung ist mir sehr wichtig. Ich achte aber auch darauf, dass ich an maximal drei Tagen pro Woche Termine außerhalb des Offices wahrnehme, sonst leidet meine Produktivität. Solche Termine sind beispielsweise Coachings, der Austausch mit anderen Gründer_innen oder Fachmessen.

Sport kommt bei mir ehrlicherweise aktuell viel zu kurz und auch die typischen Start-up Networking-Events fallen bei mir meistens hinten runter. Ich bin eher introvertiert und meine Abende mit Freund_innen oder mit einem Buch auf der Couch sind mir heilig. Dass man mich auf einem Business-Event antrifft, ist also eher die Ausnahme.

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten und Qualitäten um in deiner
Branche erfolgreich zu sein?

Die Tatsache, nicht zu wissen, was morgen passiert, sollte man unbedingt als Chance sehen und nicht als Unsicherheit! Schnell in die Mikroebene bei Themen reingehen können und dann auch wieder rauszoomen. Themen abgeben und delegieren können und die Menschen machen lassen. 

Hast du ein Erfolgsgeheimnis?

Ich bin mir meines Privilegs sehr bewusst; ich wurde im globalen Norden geboren, hatte Zugang zu kostenloser Bildung und ich lebe in einem Land mit einem existierenden sozialen Netz. Ohne diese Gegebenheiten wäre es sicherlich wesentlich schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Wie verdienst du/dein Unternehmen Kora Mikino Geld?

Wir verkaufen unsere Menstruations-Panties über unseren Onlineshop koramikino.de. Momentan haben wir drei Styles – unseren Slip Sivvy, Hipster Hannah und das High Waist-Modell Ines. Die Panties gibt es aktuell in den Größen 34 bis 48, sowie den Slip und die Hipster auch in den Teen-Größen 152/158 und 164/172. Weitere Größen und Styles sind in Arbeit und wir freuen uns riesig darauf, unsere Produktpalette im kommenden Jahr auszubauen! Unsere Panties kann man mittlerweile auch in einigen Shops finden – das sind unter anderem Brafinette in Berlin-Pankow und Le Pop Lingerie in Köln-Ehrenfeld. Außerdem freuen wir uns über jede Gelegenheit, unsere Panties bei Pop-Ups oder sonstigen Events anbieten zu dürfen, bei denen wir ins Gespräch mit potentiellen Kund_innen kommen können!

Gibt es etwas, dass du an deiner Branche verbesserungswürdig findest?

Ja! Entspannt euch! Der Markt für Periodenprodukte wächst sehr stark und neue Anbieter_innen kommen täglich hinzu. Das macht einige in der Branche sehr nervös und führt im Umkehrschluss teilweise zu unschönem Verhalten. Dabei ist der Kuchen doch groß genug und Produktvielfalt ist nichts schlechtes!

Abgesehen davon denke ich recht wenig über meine Mitbewerber_innen nach, sondern mehr über unsere Kund_innen und wie wir die Produkte von Nora Mikino weiterentwickeln und verbessern können. Ich glaube, dass dieser pragmatische Ansatz manch anderen auch gut täte 🙂 Wenn ich eine Ebene höher gehe und die Textilbranche als Ganzes betrachte, schwanke ich zwischen Entsetzen und Hoffnung. Entsetzen, weil es immer noch T-Shirts für 5 Euros zu kaufen gibt, deren Produktion auf Ausbeutung von Mensch und Boden basiert. Hoffnung, weil es viele, vor allem kleine, Labels gibt, die nachhaltige Materialien einsetzen und fair handeln.

Wir selbst produzieren für Kora Mikino ausschließlich in der EU und haben auch sonst extrem hohe Standards an Nachhaltigkeit und ethisches Verhalten. Tierleidfreie Produkte gehören ebenso dazu wie faire Löhne für Näher_innen und unser Stoff auf Buchenholzbasis.

Wenn du noch einmal neu starten könntest, würdest du etwas anders machen?

Ich glaube für diese Einschätzung ist KORA MIKINO noch zu jung – uns gibt es gerade mal ein Jahr.

Was rätst du anderen für ihr Leben und ihren Werdegang?

Ich hatte anfangs selbst Bedenken, mich selbstständig zu machen und dieser Schritt brauchte auch für mich eine lange Zeit und Überwindung.
Im Endeffekt war der ausschlaggebende Gedanke für mich, dass ich es später sicherlich bereuen würde, das Risiko nicht eingegangen zu sein. Ich bin vom Typ her eine Planerin, das bedeutet, dass ich einen Business- und Finanzplan brauchte, um den Schritt der Kündigung zu wagen. Und genau so habe ich es dann gemacht. So fühlte es sich auch weniger wie ein Risiko an, sondern viel mehr wie eine wahnsinnig tolle Chance. Eine gute Business-Coach kann ich absolut empfehlen! Meine Business-Coach Sonia Flöckemeier unterstützt mich sehr praktisch und war zum Beispiel auch beim Banktermin mit dabei. Was mich zum nächsten Tipp bringt: Support annehmen und nach Support fragen!

Wenn Du eine gute Idee hast, wirst Du Unterstützer_innen finden und gemeinsam ist der Weg doch viel leichter! Ohne den Support und den Input aus der Community wäre KORA MIKINO sicherlich nicht dasselbe!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.